Wenn leidenschaftliche Entwickler das Wort Produktentwicklungsprozess hören, läuft vielen ein kalter Schauer über den Rücken. Auch mir – selbst Entwickler mit Herzblut – kommen dabei sofort Gedanken an überbordende Bürokratie, lähmende Entscheidungswege und papierlastige Dokumentation in den Sinn. Ich selbst bevorzuge gerne den Begriff Produkt-Entwicklungsplan, kurz: PEP. Wie Sie mehr „Pepp" in Ihren PEP bringen – ohne auf Struktur, Effizienz und Marktorientierung zu verzichten – möchte ich in diesem Beitrag zeigen.
Mehr Pepp in den PEP
Im Grunde verhält es sich wie im Teamsport: Eine Strategie – und nichts anderes ist der PEP – ist nur dann erfolgreich, wenn sie flexibel angepasst werden kann und von der gesamten Mannschaft getragen wird.
Prozesse stehen häufig synonym für Langsamkeit, Trägheit und Intransparenz – also exakt das Gegenteil dessen, was Entwicklerherzen höherschlagen lässt. Was Entwickler wirklich motiviert, sind ganz andere Werte: Fortschritt, Zukunftsfähigkeit, Kreativität, Agilität, Technologieführerschaft.
Dabei bedeutet das Wort Prozess ursprünglich genau das, denn es stammt vom lateinischen procedere, was schlicht „vorwärts gehen" bedeutet. Ein Prozess ist im Kern also nichts anderes als Fortschritt. Dennoch wird der Begriff häufig mit bürokratischen Hürden und schwerfälligen Abläufen in Verbindung gebracht.
Wenn der Plan nicht ankommt: Wo die Produktentwicklung in der Realität scheitert
Dieses Spannungsfeld zwischen inspiriertem Erfindergeist und formalen Hürden führt häufig dazu, dass der PEP wenig gelebt wird und kaum Akzeptanz findet. Es gibt zahlreiche Gründe, warum ein PEP in der Praxis wenig gelebt wird:
Kein Verständnis für Sinn und Zweck
Ein häufiger Grund, warum Prozesse in der Produktentwicklung scheitern, ist das fehlende Verständnis für ihren Nutzen. Mitarbeitende wissen nicht, warum bestimmte Abläufe notwendig sind – weil sie nie richtig kommuniziert wurden. Wird ein Entwicklungsplan einfach verteilt, ohne dessen Bedeutung für das Team zu erläutern, verpufft sein Nutzen.
Der Plan passt nicht zur Realität
Viele Produkt-Entwicklungspläne wirken auf dem Papier durchdacht und professionell – in der Praxis sind sie jedoch oft kaum umsetzbar. Ein zentraler Grund dafür ist, dass operative Teams bei der Planerstellung nicht ausreichend eingebunden werden. Ohne ihre Erfahrung und Rückmeldung entstehen theoretische Pläne, die wenig mit dem tatsächlichen Arbeitsalltag zu tun haben.
Silodenken verhindert Zusammenarbeit
Abteilungen agieren isoliert und optimieren primär ihre eigenen Abläufe. Der Blick für das gemeinsame Ziel – ein Produkt, das Qualitäts- und Kundenanforderungen erfüllt – geht dabei verloren. So kann es passieren, dass ein Design Freeze beschlossen wird, um den Zeitplan zu halten, ohne den Einkauf einzubinden. Die Konsequenz: Benötigte Bauteile fehlen – das Projekt wird teurer und verzögert sich.
Mangelndes Training und fehlendes Wissen
Selbst gut durchdachte Prozesse scheitern, wenn das Team nicht über das nötige Wissen verfügt. Ohne gezielte Schulung und Einführung bleibt der PEP für viele Mitarbeitende unverständlich. Die Folge: Unsicherheit, Fehlanwendung oder komplette Ablehnung.
Was tun? Produktentwicklung neu denken
Für mich persönlich ist ein PEP nichts anderes als eine strategische Anleitung für die Entwicklung eines Produkts. Und wie im Teamsport gilt auch hier: Eine Strategie funktioniert nur dann, wenn die gesamte Mannschaft geschlossen dahintersteht.
- Einbindung statt Anweisung: Teams frühzeitig in die Planung einbeziehen und Sinn und Zweck transparent kommunizieren.
- Realitätscheck: Pläne regelmäßig mit operativen Teams abgleichen und anpassen.
- Abteilungsübergreifende Zusammenarbeit: Silos aufbrechen, gemeinsame Kennzahlen etablieren.
- Gezieltes Training: Wissen praxisnah vermitteln, Zertifizierungsstrategien frühzeitig integrieren.